Corona-Konzepte an Schaumburgs Schulen: Lüften bis der Arzt kommt?

In Niedersachsen soll mit Beginn des neuen Schuljahres wieder ein weitgehend normaler Schulbetrieb stattfinden. Damit das möglich ist, hat man sich im niedersächsischen Kultusministerium und an den Schulen Gedanken gemacht, wie man das Risiko für Schüler und Lehrkräfte, sich mit dem Corona-Virus Covid-19 zu infizieren, so weit wie möglich reduzieren kann. Herausgekommen sind Konzepte, die  auf den vom Kultusministerium erdachten Vorgaben basieren, aber dann doch regional etwas unterschiedlich sind. Das ist toll! Es ist toll, dass die Schüler endlich wieder in den Schulen lernen dürfen sollen. Und das auch noch an jedem Wochentag! Es ist toll, dass die Verantwortlichen sich so viele Gedanken gemacht haben, wie sie das Corona-Risiko ganz klein machen können, so dass alle Lehrer und Schüler sich sicher fühlen können. Es ist nicht so toll, wenn es Schulen dann doch nicht schaffen, mit ihrem individuell angepassten Konzept ein vernünftiges Maß hinzubekommen, zwischen den Maßnahmen zum Schutz vor Corona und den durch diese Maßnahmen verursachten Nachteilen und Risiken.

In den Schulen meiner beiden Kinder gehen den für die dort geltenden Corona-Konzepte Verantwortlichen offenbar die Mindest-Anforderungen des Kultusministeriums nicht weit genug. Da wird nämlich gesagt, es solle mindestens alle 45 Minuten eine Stoßlüftung erfolgen, besser noch öfter. Alle 45 Minuten eine Stoßlüftung klingt ganz vernünftig und wenn das die Vorgabe des Ministeriums ist, muss man die erfüllen. Mehr nicht. Was bedeutet Stoßlüftung, alle 45 Minuten? Das bedeutet, nach jeder Schulstunde einmal kurz für mindestens 5-Minuten alle Fenster weit zu öffnen und dann wieder zu schließen. Weil nach fast jeder Schulstunde sowieso eine kleine Pause (5 Minuten) oder eine große Pause erfolgt, könnte man also einfach in den Pausen lüften. Damit sollte niemand ein Problem haben. Manchen für die Schaumburger Schulen Verantwortlichen reicht das aber offenbar nicht. An den Schulen meiner beiden Kinder hat das dazu geführt, dass die Klassen nunmehr den ganzen Tag gelüftet werden, was bedeutet, dass Fenster und Türen während des gesamten Unterrichts offen bleiben. Ungeachtet der Wetterlage will man das wohl so beibehalten. Nun, im Moment sind die Außentemperaturen noch moderat. Bei meiner Tochter kommen nur die derzeit allgegenwärtigen Wespen gerne mal in den Unterricht. Aber so langsam wird es draußen kühler und der permanente Durchzug ist definitiv ein gesundheitliches Risiko. Da gibt es dann schnell auch mal eine Halsentzündung, einen Schnupfen oder Schlimmeres. Mit einer exponentiell höheren Wahrscheinlichkeit als sich im Unterricht mit Corona zu infizieren in einer Stadt, in der es 0 (in Worten: Null) registrierte Corona-Infektionen gibt. Denn Zugluft kann Schleimhäute austrocknen und anfällig für Viren machen. Wenn dann aber doch der extrem unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass sich Corona-Viren in einen Klassenraum verirren, auf welchem Weg auch immer, wären die Schüler und Lehrer mit ihren durch Zugluft geschädigten Schleimhäuten, wo der Erstkontakt mit den Viren stattfindet, weniger gut geschützt als mit intakten Schleimhäuten. Sie würden sich dann schlimmstenfalls gerade deshalb infizieren, weil die ganze Zeit gelüftet wurde.

Stoßlüften ist gut, in jedem Fall ausreichend und schützt die Gesundheit besser als Dauerlüften, auch vor Corona!

Andere Nachteile, die das Dauerlüften und Öffnen aller Klassentüren mit sich bringen, sind vielleicht weniger gesundheitlicher Natur, aber doch für die Konzentration im Unterricht sicher nicht wirklich förderlich. Geräusche aus anderen Klassenräumen, Lärm von draußen. Wäre es nur das, könnte man damit vielleicht eher leben. Doch das wichtigste Argument gegen Dauerlüften ist die Gesundheit.

Wer die Gesundheit schützen will, indem er die Gesundheit gefährdet, macht es, ohne es zu wollen, nicht besser als der, der den Teufel mit dem Beelzebub austreiben will!

Kommen wir doch bitte alle wieder zur Vernunft. Die Corona-Konzepte der Schulen sind in weiten Teilen gut durchdacht und richtig, denn es ist wichtig, dass sich auch die Ängstlichen und Übervorsichtigen sicher fühlen. Doch in Bezug auf das Lüften sind die Konzepte an unseren Schulen hier in Rinteln nicht gut, sogar unbeabsichtigt gefährlich. Es wäre vernünftig, das nachzubessern und das Lüften auf Stoßlüften in den Pausen zu beschränken.