Umweltschutz: Schluss mit dem Export und der Produktion von Plastikmüll, jetzt!

Verschiedene Beiträge der letzten Wochen haben auf den Umgang Deutschlands und vieler anderer Länder mit Plastikmüll aufmerksam gemacht. Wir haben in Deutschland das duale System. Millionen Deutsche bilden sich ein, der von ihnen getrennte Plastikmüll werde einer gesonderten Entsorgung zugeführt und recycelt. Damit ist die grüne Seele offenbar befriedigt und es wird sorglos so weitergemacht wie bisher.

Die Wahrheit ist aber leider eine andere. Deutschland zählt zu den absoluten Müll-Spitzenreitern in Europa. Pro Kopf produzieren Deutsche 38 Kilogramm Plastikmüll pro Jahr. Und nur 16 Prozent! davon werden wiederverwertet.

Was passiert mit dem Plastikmüll, der nicht wiederverwertbar ist? Aus der Bundesrepublik wird Abfall in großem Stil exportiert, vornehmlich nach Asien. Laut Umweltbundesamt exportierte Deutschland 2018 130.000 Tonnen Plastikmüll nach Malaysia, 73.000 Tonnen nach Hongkong,  68.000 Tonnen nach Indien, 64.000 Tonnen nach Indonesien und 57.000 Tonnen nach Vietnam. Aus den Augen, aus dem Sinn. Nein, der Plastikmüll wird ganz überwiegend nicht wiederwertet, sondern einfach auf den Müllkippen der Welt abgeladen und in illegalen Müllverbrennungsanlagen ohne Schadstoff-Filter verbrannt.

Laut Umweltministerin Svenja Schulze soll der Export von verschmutzten Plastikabfällen aus der EU in Entwicklungs- und Schwellenländer spätestens ab 2021 unterbunden werden können. So so, man wartet da also auf die EU? Deutschland kann wohl den Export von Plastikmüll aus dem eigenen Land nicht verbieten? Oder will nicht.

Verdammt nochmal, es kann doch nicht sein, dass das Land, das Vorzeigeland beim Klimaschutz sein will, gleichzeitig den Umweltschutz mit Füßen tritt und seinen Müll auf eine Weise entsorgt, die sich im Prinzip nicht vom Vorgehen derjenigen unterscheidet, die ihren Hausmüll einfach irgendwo in der Natur entsorgen. Und sich auch nicht die Bohne um die Gesundheit der Menschen schert, die auf und neben diesen Müllkippen leben und arbeiten. Von der nachhaltigen Verseuchung der Umwelt in diesen Ländern ganz zu schweigen.

Ich sage: Export-Verbot für Plastikmüll aus Deutschland sofort! Verbot oder konsequente Benachteiligung von Plastikverpackungen überall da, wo sie problemlos durch umweltfreundliche Alternativen ersetzt werden können!

Warum nicht Glas statt Plastik bei der Verpackung von Joghurt? Warum nicht Papier statt Plastik bei der Verpackung von Lebensmitteln? Warum muss eine Pizza in Folie eingeschweißt sein, wenn es doch genauso gut im Karton geht? Warum müssen Elektronik-Produkte in Kunststoff-Sichtverpackungen verpackt sein, die oft niemand ohne Einsatz von Schneidwerkzeugen öffnen kann, wenn man doch genauso gut ein Foto des Inhalts auf einen Karton aufdrucken könnte?

Wie wäre es denn mal mit Plastik-Zertifikaten, die von Firmen gekauft werden müssen, die ihre Ware unbedingt in Plastik verpacken müssen? Und von Discountern, die in Plastik verpackte Ware anbieten. Wie wäre es mit einer Plastik-Steuer auf in Plastik verpackte Ware? Wobei diese Gelder dann zweckgebunden direkt dem Umweltschutz zugutekommen müssten.

Ich rede natürlich nicht von einem Verzicht auf Gebrauchsgegenstände und Produkte aus Kunststoff jeglicher Art und auch nicht von einer Steuer auf solche. Kunststoffe sind moderne und zeitgemäße Werkstoffe, ohne die viele Produkte des täglichen Lebens wohl nicht vorstellbar wären. Ich rede ausschließlich von Einweg-Verpackungen und Einweg-Gebrauchsgegenständen, die nach der einmaligen Verwendung auf dem Müll landen. Die müssen weg, so gut es geht. Und wo es nicht geht, halte ich eine angemessene Abgabe, die nicht zweckentfremdet wird, für eine vernünftige Option. (jw)