Neues aus der bunten Brause: Der Russlandkonflikt

Von Dr. Jens Wilharm

Langsam hat die Geschichte einen Bart. Der ist lang und wird immer länger, ist aber brandgefährlich. Die USA , die EU, unsere Bundesregierung und auch die NATO lassen nichts unversucht, um den Konflikt mit Russland weiter anzuheizen. Oder sagen wir es anders. Die USA betreiben die Ausbeutung der Ukraine mit Unterstützung ihrer treuen Vasallen. Alles unter dem Deckmantel, dem armen Volk der Ukraine die Demokratie zu bringen und sie vor den bösen Russen zu schützen. Die von einem gefährlichen Wahnsinnigen regiert werden, der kurz davor ist, uns alle anzugreifen und deshalb seine Kriegsschiffe auch schon im Ärmelkanal kreuzen lässt. Diese Geschichten werden von unseren systemtreuen Medien verbreitet, wobei häufig übertrieben und auch gern erfunden wird, während man die kritische Betrachtung des Verhaltens der eigenen Seite gerne unterlässt. Meist durch Weglassen oder Nichtberichten von Sachverhalten, die gar den Einen oder Anderen zum kritischen Hinterfragen der pro-amerikanischen Politik veranlassen könnten. Putin gleich böse. Böse, böse, böse. Wie aus dem Brausekopf einer Dusche rieselt es täglich aus unseren Zeitungen und Fernsehern auf uns herab. Das ist so ähnlich wie bei der Hypnose oder beim autogenen Training. Putin ist böse. Böse, böse, böse. Haben Sie das jetzt endlich? Keine Sorge, spätestens übermorgen wiederholen wir die Übung und dann regelmäßig immer wieder. Bis auch Sie endlich überzeugt sind, wie böse Putin ist. „Wie viele Finger sehen Sie?“, das wurde bei George Orwell in „1984“ gefragt. Es reicht nicht, zu sagen, dass Putin böse ist. Sie müssen es glauben. Was soll man auch erwarten von Zeitungen, deren Berichte zu 80 Prozent aus der Feder rot-grün angehauchter Schreiberlinge stammen, die zu einem nicht unerheblichen Teil den Altparteien, allen voran der SPD, gehören oder mit gehören (siehe Madsack = Schaumburger Zeitung, Schaumburger Nachrichten, Harke, Dewezet, Hannoversche Allgemeine und viele, viele mehr).

Tja, so ist das. An sich nichts Neues. Aber etwas war doch neu in den letzten Tagen. Da stellt die NATO eine schnelle Eingreiftruppe auf, die mit einem mobilen Gefechtsstand in Windeseile an der Ostfront sein kann, falls der böse Putin angreift. Von unseren Medien wird das allgemein bejubelt. Wer zahlt eigentlich genau welchen Anteil dessen, was diese Truppe kostet? Es würde mich nicht wundern, wenn das mal wieder die Deutschen wären. „Das sollte uns unsere Freiheit wert sein“, hat dieser Tage jemand im Internet dazu kommentiert und dafür sehr viel Zuspruch erhalten. Tja, wer das denkt, bei dem war die Therapie erfolgreich (siehe oben). Nun ist es ja eigentlich nicht schlimm, wenn die NATO eine schnelle Eingreiftruppe aufstellt. Für alle Fälle. Das aber ganz offiziell mit der Begründung zu tun, um die Ukraine und andere Nachbarländer Russlands zu schützen, dürfte eigentlich selbst der überzeugteste Transatlantiker nicht als freundlichen Weihnachtsgruß an Russland verstehen. Soll es ja auch nicht sein. Man will provozieren.

Damit nicht genug. Wie wir auf unserer Webseite bereits berichteten, hat man in der Ukraine auf die Schnelle ein paar Minister installiert, die entweder US-Amerikaner sind oder beste Beziehungen zu den USA unterhalten. Diese wurden dazu im Eilverfahren eingebürgert. Was bitte hat jetzt das mit Demokratie zu tun? Wenn ein fremder Staat die Ministerien der Ukraine mit seinen Leuten besetzt und diese entweder Banker sind oder mit Banken und Großinvestoren unmittelbar verbandelt sind? Wenn dieser fremde Staat vorher übrigens schon die gesamten Goldreserven der Ukraine einkassiert hat? Wohl auch, um sie vor dem bösen Putin in Sicherheit zu bringen. Tja, liebe Ukrainer, ob ihr die wohl jemals wiederseht? Aber tröstet Euch, wir sehen unsere ja auch nicht wieder. Denn auch unsere deutschen Goldreserven werden ja zum Großteil in den USA sicher verwahrt. Das Volk der Ukraine muss ja auch irgendwie besonders unfähig sein, wenn es selbst nicht über genügend qualifizierte Menschen verfügt, die man zum Minister machen könnte. Wo doch jeder weiß, dass man als Minister nicht unbedingt ein Experte sein muss. Also ich würde mich als Ukrainer gewaltig ärgern, auch wenn ich in der West-Ukraine wohnen würde. Da klaut man mir mein ganzes Gold, setzt mir ein paar amerikanische Minister vor die Nase und will mir erzählen, dass das alles geschieht, damit ich frei sein darf. Verwechseln wir da jetzt etwas? Konsum und Wohlstand, den diese falschen Pharisäer aus dem Westen vermeintlich bringen können, mit der wahren Freiheit?

Da hat sich der Putin nun gestern (03.12.14) hingestellt und eine Rede zur Lage der Nation gehalten. Das meiste darin ist auch nicht neu. Aber einen Putin-Satz finde ich gut, treffend und ich denke, dass er der Wahrheit entspricht: „Manchmal weißt du nicht, mit wem du sprechen sollst – mit den Regierungen mancher Staaten oder direkt mit ihren amerikanischen Sponsoren.“

Wer sich ein Bild von der Darstellung der Putin-Rede in der deutschen Presse machen möchte, dem seien die folgenden Links empfohlen.

Die Zeit: hier

F.A.Z.: hier

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: hier

BILD: hier